Uwe Seeler: Ein Leben für den HSV

Als bodenständig, bescheiden und fair beschreiben ihn seine Weggefährten. Doch bei seinen Gegenspielern war Uwe Seeler gefürchtet: Mit vollem Einsatz und absoluter Leidenschaft ging der ungemein ehrgeizige Stürmer in jedes Spiel. Nichts hasste der Hamburger so sehr wie Niederlagen – und doch musste er einige entscheidende hinnehmen.

Mit 10 Jahren kommt Seeler zum HSV, mit gerade einmal 17 gelingt ihm bereits der große Durchbruch. Im Sommer deutet er bei einem Jugendturnier sein Potenzial an: 13 von 20 Treffern der deutschen Elf gehen auf Seelers Konto. Im August folgt sein erstes Spiel für den HSV. Und „Uns Uwe“, wie seine Fans ihn später liebevoll nennen, gelingt in dieser Partie gleich sein erstes Tor. Seine Karriere verläuft im Zeitraffer: Zwei Monate später feiert der kräftige Stürmer das Debüt in der Nationalmannschaft. Am Ende der Saison wird Seeler Torschützenkönig der Oberliga. In den folgenden Jahren dominiert er mit seinen mitunter spektakulären Treffern die Liga, für den ersten großen Titel reicht es aber erst 1960. Der HSV wird Deutscher Meister, Seeler erneut Torschützenkönig, dazu Fußballer des Jahres. Auch in der Nationalmannschaft genießt er hohes Ansehen und wird erstmals zum Kapitän ernannt.

Seine Qualitäten bleiben international nicht unbemerkt: 1961 erhält Seeler ein lukratives Angebot von Inter Mailand. Die Italiener bieten eine Millionenablöse für ihn. Doch der loyale Seeler bleibt seinem HSV treu und verzichtet auf viel Geld. Zwei Jahre später folgt der nächste große Titel: Seeler gewinnt mit den Hamburgern den DFB-Pokal. In der danach neu gegründeten Bundesliga will er um die Meisterschaft mitspielen, doch die Saison endet enttäuschend: Seeler wird zwar Torschützenkönig und Fußballer des Jahres, der ehrgeizige Stürmer ärgert sich trotzdem über den sechsten Platz des HSV.

Ehrgeiz und Durchhaltevermögen stellt er auch bei seiner schweren Verletzung unter Beweis. Seeler zieht sich einen Achillessehnenriss zu, das Ende seiner Karriere droht. Doch „Uns Uwe“ steht nach nur einem halben Jahr Pause mit einem Spezialschuh wieder auf dem Platz, erzielt im ersten Länderspiel nach der Verletzung gleich den entscheidenden Treffer zur Qualifikation für die WM 1966.

Ein großer Titel bleibt ihm mit der Nationalelf dennoch verwehrt. Trotzdem unvergessen: Sein legendäres Tor im Viertelfinale der WM 1970 gegen England. Mit dem Hinterkopf trifft der Stürmer zum wichtigen 2:2, Deutschland gewinnt danach in der Verlängerung und revanchiert sich damit für Wembley. Trotzdem reicht es schließlich nur für den dritten Rang.

Im selben Jahr absolviert Seeler sein letztes Länderspiel. Er wird zum Ehrenspielführer der Nationalmannschaft ernannt, zudem erhält er das Bundesverdienstkreuz – als erster Sportler überhaupt. Ein letztes Mal wird „Uns Uwe“ als Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Gegen eine Weltauswahl nimmt Uwe Seeler 1972 schließlich Abschied von der großen Fußballbühne.