Pelé – König des Fußballs

Pelé, mit bürgerlichem Namen Edison Arantes do Nascimento, wächst in Armut auf, kann sich nicht einmal einen Ball leisten. Der brasilianische Spieler Waldemar de Brito entdeckt den 15-Jährigen, schickt ihn zum FC Santos. Dort spielt Pelé ein Jahr lang in der Jugend, ist danach sofort fester Bestandteil der ersten Mannschaft. Mit unfassbaren 58 Toren wird er Torschützenkönig der Staatsmeisterschaft von São Paulo und folgerichtig in Brasiliens Nationalkader für die WM 1958 in Schweden berufen. Pelé ist 17 und verzaubert mit seinen Toren Fans in aller Welt. Er überzeugt durch Technik, Athletik und Schnelligkeit. Im Viertelfinale gelingt dem jungen Brasilianer gegen Frankreich ein Hattrick, im Finale steuert er zwei Treffer zum Sieg bei. Seine Mitspieler tragen ihren neuen Superstar nach dem Erfolg auf Schultern über den Platz, müssen ihn trösten, weil er vor Glück in Tränen ausbricht.

Auch im Verein sticht Pelé hervor: Er führt den FC Santos zu mehreren regionalen Meisterschaften, gewinnt 1960 seinen ersten nationalen Titel und macht den Verein 1962 zum ersten brasilianischen Club, der die angesehene Copa Libertadores gewinnen kann. Pelé entwickelt sein Spiel weiter, setzt neben seinen starken Dribblings auch seine Mitspieler mit exzellenten Pässen in Szene. Zudem verfügt er trotz seiner geringen Körpergröße von 1,73m über ein enorm starkes Kopfballspiel. Mit diesen Stärken will er den WM-Titel 1962 verteidigen. Alles läuft nach Plan: Pelé erzielt im ersten Spiel gegen Mexiko das 2:0, dann der Schock: In der nächsten Partie verletzt er sich bei einem Schussversuch und fällt für den Rest des Turniers aus – Brasilien wird trotzdem Weltmeister.

Unbeeindruckt von der Enttäuschung über die Verletzung trägt Pelé im Folgejahr maßgeblich zur Titelverteidigung bei der Copa Libertadores bei. Im Halbfinale trifft Santos, das seines eleganten Spiels wegen nur noch das weiße Ballett genannt wird, auf Botafogo, das mit einigen der besten brasilianischen Nationalspielern gespickt ist. Im Hinspiel rettet Pelé seinem Club in letzter Sekunde ein Remis, im Rückspiel gelingt ihm beim 4:0-Sieg ein Hattrick. Im Finale trifft Pelé bei zwei Siegen über die Boca Juniors noch ein weiteres Mal. Unvergessen bleibt ein Jahr später der Tag, an dem Pelé sagenhafte acht Treffer in einem Spiel gegen ein völlig konsterniertes Botafogo erzielt.

Sein großes Ziel bleibt allerdings der neuerliche Gewinn des Weltmeistertitels. Brasilien geht als Titelverteidiger in das Turnier von 1966 und gewinnt das erste Spiel standesgemäß mit 2:0 gegen Bulgarien. Pelé erzielt einen Freistoßtreffer, hat aber einen schweren Stand: Seine Gegenspieler können ihn nur mit groben Fouls aufhalten, Pelé verletzt sich wie schon vor vier Jahren. Im zweiten Gruppenspiel setzt er aus, die Seleção verliert 1:3 gegen Ungarn. Im letzten und entscheidenden Spiel gegen Eúsebios Portugiesen läuft Pelé angeschlagen auf, kann nach einem brutalen Tackling eines portugiesischen Verteidigers aber nicht mehr weiterspielen. Portugal gewinnt, die Brasilianer müssen schon nach der Vorrunde ihre Koffer packen.

Nach dem Debakel und den unzähligen Fouls an ihn verkündet Pelé, dass er nie wieder eine Weltmeisterschaft spielen wird. Aber auch die großen Erfolge im Club bleiben aus. Doch im November 1969 steht dann ein bereits lange herbeigesehnter Moment an: Per Elfmeter erzielt Pelé „O Milésimo“, das insgesamt tausende Tor seiner Karriere. Neben seinen fußballerischen Qualitäten ist Pelé schon jetzt für sein soziales Engagement bekannt und so widmet er diesen Treffer den armen Kindern Brasiliens. Im Sommer darauf erzielt er ein weiteres besonderes Tor. Er hat seine Meinung revidiert, spielt doch noch eine WM und erzielt das 100. Tor der brasilianischen Nationalelf bei einer Weltmeisterschaft. Und dafür hat er sich ein bedeutungsvolle Partie ausgesucht: Es ist das 1:0 im Endspiel gegen Italien, das die Seleçao am Ende souverän mit 4:1 gewinnt. Edison Arantes do Nascimento hat es geschafft, ist als erster und einziger Spieler dreimaliger Weltmeister. Daraufhin titelt die Sunday Times: „Wie wird Pelé buchstabiert? G-O-T-T“.

Zwei Jahre spielt er danach noch für Santos, erklärt dann seinen Rücktritt. 1974 kehr Pelé allerdings noch einmal auf die Fußballbühne zurück: Bei New York Cosmos feiert er sein Comeback, ist ein wahrer Zuschauermagnet, auch wenn er nicht mehr an die ganz großen Zeiten anknüpfen kann. 1977 feiert er – an der Seite von Franz Beckenbauer – mit New York seine letzte Meisterschaft. Im Oktober findet schließlich sein Abschiedsspiel statt: New York tritt gegen Pelés Heimatclub Santos an und der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten erzielt per direkt verwandeltem Freistoß sein letztes offizielles Tor.