Michel Platini – Ein schwaches Herz erobert Europa

Michel Platini spielt in der Jugendmannschaft des AS Jœuf, als er das Team des FC Metz in einer Nachwuchspartie im Alleingang an die Wand spielt. Metz lädt den 16-jährigen zum Probetraining ein, doch erst verletzt sich Platini, beim zweiten Mal der Schock: Die Ärzte diagnostizieren ein schwaches Herz und Atembeschwerden, eine Profikarriere sei ausgeschlossen. Platini wechselt daraufhin in die Reservemannschaft des AS Nancy und beeindruckt dort auf Anhieb. 1973 feiert er schließlich sein Debüt in der ersten Mannschaft. Ein Jahr später muss er verletzungsbedingt mit ansehen, wie sein Club absteigt. Doch in der zweiten Liga gelingt dem Spielmacher der Durchbruch: Mit 17 Treffern führt er Nancy zurück in Liga eins, vor allem als brandgefährlicher Freistoßschütze macht er sich einen Namen.

Nach dem Aufstieg wird Platini 1976 erstmals in die französische Nationalmannschaft berufen und trifft im Länderspiel gegen die Tschechoslowakei prompt per direktem Freistoß. Zwei Jahre später folgt sein erster großer Titel: Er führt Nancy ins Finale des französischen Pokals und erzielt den entscheidenden Treffer zum Pokalsieg. Gut zwei Wochen später findet bereits die Weltmeisterschaft in Argentinien statt. Frankreich scheidet in der Vorrunde aus, Platini von den Fans zum Sündenbock gemacht und in der Liga ausgepfiffen. Seine Entwicklung stört das kaum: Nach dem Turnier wird er zum Kapitän der französischen Nationalmannschaft ernannt, erhält zudem das prestigeträchtige Trikot mit der Nummer zehn.

Der Regisseur ist inzwischen europaweit bekannt – und umworben. Trotz diverser Angebote europäischer Topclubs entscheidet sich Platini für den Verbleib in der französischen Ligue 1: Er wechselt zum AS St. Etienne, mit dem er zwei Jahre später den ersehnten Meistertitel gewinnen kann. Im Sommer 1982 wagt Platini dann den großen Schritt: Er wechselt zu Juventus Turin. Dort wird er zunächst nicht glücklich, will den Club bereits im Winter wieder verlassen. Doch seine Forderungen nach taktischen Umstellungen werden erfüllt, Juventus spielt eine überragende Rückrunde, wird Pokalsieger und dringt bis ins Finale des Europapokals der Landesmeister vor. Platini wird italienischer Torschützenkönig und nach der Saison als Europas Fußballer des Jahres mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet.

In seiner zweiten Saison wird er erneut Torschützenkönig, holt er mit Juve den Scudetto sowie den Europapokal der Pokalsieger. Platinis Spiel ist technisch brillant, er organisiert seine Mitspieler auf dem Platz, ist für einen Mittelfeldspieler zudem extrem torgefährlich. Oft sind seine Treffer spielentscheidend. So auch bei der EM in Frankreich: In fünf Spielen erzielt er bemerkenswerte neun Treffer und macht die Equipe Tricolore zum Europameister. Platini erhält erneut den Ballon d'Or.

Auch seine dritte Saison für Juve bleibt erfolgsverwöhnt: Wieder erzielt Platini die meisten Treffer der Serie A, am Ende der Spielzeit bekommt er als erster Fußballer überhaupt zum dritten Mal in Folge die Auszeichnung als Europas Fußballer des Jahres. Zudem steht Platini mit Juve nun an der Spitze des europäischen Clubfußballs. Im Finale des Europapokals der Landesmeister trifft der Regisseur per Elfmeter zum 1:0-Sieg über Liverpool. Überschattet wird der Erfolg jedoch durch schwere Ausschreitungen im Heysel-Stadion, bei denen 39 Menschen ums Leben kommen. Platini wird das Stadion in Brüssel später nie wieder betreten.

1986 wird er ein letztes Mal Meister mit Turin, ein Jahr später beendet er nach 312 Toren in 580 Vereinsspielen und 41 Treffern in 72 Länderspielen seine Karriere. Nach seinem Rücktritt wird Platini Teamchef der französischen Nationalmannschaft, die 1992 nach einer überragenden Qualifikation aber schon in der EM-Vorrunde ausscheidet. Platini vollzieht daraufhin den Wechsel auf die Funktionärsebene, wird Vorsitzender des Organisationskomitees für die WM 1998 in Frankreich und Berater von Sepp Blatter. 2007 folgt der vorläufige Höhepunkt einer beeindruckenden Karriere: Michel Platini wird zum zum UEFA-Präsidenten gewählt.