Johan Cruyff - der Retter

Johan Cruyff, „El Fenómeno“ bzw. „El Salvador“ („der Retter“), wie er in seiner zweiten Heimat Katalonien genannt wurde, ist nicht nur die Kultfigur des niederländischen Fußballs, er gilt bis heute als einer der genialsten Spielmacher aller Zeiten. Seine Spielweise beruhte neben seiner brillanten Technik auf der völligen Unberechenbarkeit seiner Spielzüge. Mit dieser Spielweise passte er perfekt in das System des „Totalen Fußballs“ („Totaalfoetbal“), das von dem Engländer Jack Reynolds in seiner 27-jährigen Amtszeit als Trainer bei Ajax Amsterdam eingeführt worden war und zu Cruyffs Zeit auch von der niederländischen Nationalmannschaft praktiziert wurde.

Hendrik Johannes Cruyff wurde am 24. April 1947 in Amsterdam geboren. Mit sieben Jahren bekam er seine ersten Fußballschuhe geschenkt, und bereits ein Jahr später wurde er von Rinus Michels entdeckt und in die Jugendmannschaft von Ajax Amsterdam aufgenommen.

1964 machte Cruyff sein erstes Spiel für die Profimannschaft von Ajax Amsterdam, wo er in den folgenden neun Jahren in 364 Spielen 266 Tore schoss. Eines seiner legendärsten Spiele, die „Nebelschlacht“ vom 7. Dezember 1966 gegen Liverpool (5:1), die Cruyff noch heute zu seinem Lieblingsspiel erklärt, fiel bereits in die Anfangszeit seiner Karriere. Mit Cruyff stieg Ajax Amsterdam zu einer der besten Mannschaften Europas auf, was 1970-72 im Gewinn von drei Titeln im Europapokal der Landesmeister in Folge, dem Weltpokal 1972 und dem europäischen Supercup 1973 sowie der ersten Wahl Cruyffs zu Europas Fußballer des Jahres 1971 gipfelte. Bis heute stellen Cruyffs sechs Tore beim 8:1-Sieg über AZ Alkmaar vom 29.11.1970 den Rekord in der niederländischen Liga dar.

Für eine Ablösesumme von sechs Millionen Gulden (ca. 2,6 Millionen Euro) wechselte Johan Cruyff 1973 nach Barcelona, wo er sofort zum Publikumsliebling wurde. 85 Tore in 227 Spielen, der erste Meistertitel für den FC Barcelona seit 1960, ein Pokalsieg und seine dritte Auszeichnung als Europas Fußballer des Jahres sind die Bilanz seiner Jahre in Katalonien. Den Abschied von Barcelona 1978 betrachtete Cruyff als eigentliches Ende seiner aktiven Karriere, wenngleich er danach noch mehrere Jahre in den USA spielte und 1982 und 1983 mit Amsterdam sogar noch zwei Meistertitel gewann.

Seine größte Enttäuschung als Spieler erlebte Johan Cruyff im Finale der Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland, als das Oranje-Team nach einem glanzvollen Turnier trotz Cruyffs 1:0-Führung letztendlich 1:2 gegen den Gastgeber unterlag.

Mit dem Abschied vom aktiven Fußball war Cruyffs Karriere aber noch nicht beendet. Vielmehr kehrte er als Trainer noch einmal zu den Vereinen zurück, bei denen er als Spieler so erfolgreich gewesen war. Mit Ajax Amsterdam (1985-88) gewann er zweimal den niederländischen Pokal sowie 1987 den Europapokal der Pokalsieger, bevor er nach Barcelona ging. Trotz seiner Erfolge (vier Meisterschaften, ein Pokalsieg, 1989 der Sieg im Europapokal der Pokalsieger und 1992 der Gewinn des Europapokals der Landesmeister) wurde er dort jedoch 1996 während der laufenden Saison entlassen.

Dass Johan Cruyff nicht nur in seiner Heimat eine lebende Legende ist, wurde erst im November 2009 wieder bestätigt, als der mittlerweile 62-jährige, der nach seinem Abschied von Barcelona geschworen hatte, nie mehr ein Traineramt zu übernehmen, zum Trainer der katalonischen Nationalmannschaft berufen wurde. Mit seinem neuen – nicht von der Fifa zugelassenen - Team, das derzeit nur zwei Freundschaftsspiele pro Jahr bestreitet, wird er zwar keine Titel gewinnen können und kein Geld verdienen, aber es ist ein weiterer Anreiz für ihn, in das Land zurückzukehren, das ihm zu einer zweiten Heimat wurde.