George Best – Zwischen Genie und Wahnsinn

George Best wächst im nordirischen Belfast auf, ist von klein auf Feuer und Flamme für den Fußballsport. Bei seinem Jugendverein Cregagh FC macht er schnell auf sich aufmerksam und ist bald stadtbekannt. Bob Bishop, Scout von Manchester United, entdeckt den 15-jährigen bei einem Besuch in Belfast, schickt sofort ein Telegramm an United-Trainer Matt Busby: „I think I’ve found you a genius.“ Er sollte Recht behalten. Best geht nach Manchester, soll dort gefördert werden, bevor er mit 17 Jahren seinen ersten Vertrag unterschreiben kann. Doch der junge Spieler hat Heimweh, reist zurück nach Belfast. Sein Vater überzeugt ihn schließlich, in Manchester zu bleiben.

Im Mai 1963 erhält Best dann einen Vertrag, im September folgt das erste Spiel. Der pfeilschnelle, wendige Flügelspieler gibt ein starkes Debüt, ist aber noch zu jung, um sich einen Stammplatz zu erkämpfen. Erst im Dezember steht Best wieder auf dem Platz und markiert seinen ersten Treffer in der Premier League. Nun geht es steil bergauf: Er spielt sich in die Stammformation des Vereins, im April 64 gibt er sein Debüt für die nordirische Nationalmannschaft. Eine Spielzeit später steht der 18-jährige bereits an der Spitze: Als Stammspieler gewinnt er mit Manchester die Meisterschaft.

Doch Best macht nicht nur auf dem Platz auf sich aufmerksam. Sein extravagantes Auftreten – Best trägt lange Haare und kleidet sich exklusiv – nähren das Starimage und bescheren ihm sogar einen Auftritt bei „Top Of The Pops“. 1966 erzielt er in einem Europapokal-Spiel gegen Benfica zwei Treffer, die portugiesische Presse tauft ihn daraufhin „O Quinto Beatle“, der fünfte Beatle. Fans und Medien feiern ihn als Popstar, Bests Leistungen leiden zunächst nicht darunter. Im Gegenteil: 1967 hat er mit zehn Treffern maßgeblichen Anteil an der Meisterschaft. Seine schnellen Dribblings sind für die Gegner kaum zu kontrollieren, Best ist beidfüßig, verfügt zudem über einen ungemein starken Abschluss. 1968 erreicht Best den Höhepunkt seiner Karriere. Torschützenkönig mit 28 Treffern in der Liga, dazu der Gewinn des Europapokals der Landesmeister. Best wird zum Spieler des Jahres in England gewählt, später erhält er auch die Auszeichnung zu Europas Fußballer des Jahres.

Best spielt weitere sechs Jahre für Manchester, ist nach wie vor der erfolgreichste Torschütze des Vereins, doch er verliert zunehmend die Kontrolle über sein Privatleben. Parallel zu seiner Karriere als Fußballer eröffnet er zwei Nachtclubs in Manchester, ist Mitinhaber mehrerer Modeboutiquen. Seine fußballerische Genialität wird zur Nebensache, Frauengeschichten und Alkoholprobleme bestimmen die Schlagzeilen. Und dennoch: Die besonderen Momente bleiben, wie 1970, als Best im FA Cup sechs Tore beim 8:2-Sieg über Northampton Town erzielt. Für einen weiteren Titel reicht es nicht mehr. 1972 kommt es zum Eklat: Best ist spielsüchtig, fehlt unentschuldigt bei Training und Spielen. Sein Trainer Tommy Doherty suspendiert den Superstar daraufhin. Best erklärt zunächst seinen Rücktritt, kehrt dann aber doch zu United zurück. Zwei Jahre später folgt die endgültige Trennung.

Best versucht sein Glück daraufhin in Südafrika, fällt aber allein durch seine Eskapaden auf. Er kehrt zunächst nach Großbritannien zurück, wechselt dann in die USA. In Los Angeles kann er noch einmal beeindrucken, in Europa misslingt es ihm dagegen, wieder Fuß zu fassen. Zuletzt absolviert der 37-jährige Best Spiele in Hong Kong und Australien. Er hat massive Geldsorgen, die sich mit dem Ende seiner aktiven Karriere verschlimmern. Eine Benefizspiel rettet ihn 1988 vor dem Bankrott. Doch Best bekommt seine Alkoholsucht nicht unter Kontrolle, demontiert sein Ansehen mit peinlichen Auftritten in der Öffentlichkeit. Nach diversen gesundheitlichen Problemen verstirbt mit Best einer besten und begabtesten Spieler aller Zeiten im Alter von 59 Jahren.