Diego Maradona – Vom Dribbelkünstler zum Dopingsünder

Diego Armando Maradona steht in Argentinien für das Außergewöhnliche – die Verehrung für den einstigen Superstar nimmt in seinem Heimatland nach wie vor religiöse Züge an. Sein Talent für den Fußball war einzigartig, das für Eskapaden aber leider auch.

Maradona lernt das Fußballspielen auf der Straße, spielt dann in der Jugendmannschaft der Argentinos Juniors. Er hat für sein Alter überwältigende technische Fähigkeiten, bleibt mit seinem Team 136 Spiele lang ungeschlagen und wird schnell zum Pibe de Oro, dem Goldjungen. Als 15-jähriger kommt er im Oktober 1976 bereits zu seinem Debüt für die erste Mannschaft, einen Monat später erzielt er sein erstes Tor. Maradona gilt als Ausnahmetalent, verzaubert seine Zuschauer mit technischen Kabinettstückchen.

Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten führen zu einem Kuriosum: Mit 16 debütiert Maradona in der argentinischen Nationalelf, noch bevor er sein erstes Spiel für die Jugendnationalmannschaft absolviert. Doch für die WM 1978 im eigenen Land wird Maradona nicht nominiert. Stattdessen brilliert er ein Jahr später bei der Jugend-Weltmeisterschaft. Als bester Spieler des Turniers führt er die argentinische U20 zum Titel. Seine spektakulären Auftritte finden weltweit Beachtung, erste Clubs aus Europa wollen den Spielmacher verpflichten.

Doch Maradona bleibt zunächst in Argentinien, wird zweimal in Folge als Südamerikas Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Nach 116 Toren in 168 Spielen wechselt er 1981 für umgerechnet 1,5 Mio. Euro zu den Boca Juniors. Mit seinen Dribblings und Finten lässt er Gegenspieler reihenweise aussteigen und macht den Traditionsclub zum Meister. Vor seiner ersten Weltmeisterschaft gibt er den Wechsel nach Europa bekannt: Der FC Barcelona verpflichtet Maradona für die Rekordablöse von 5,5 Mio. Euro.

Doch sowohl die WM als auch die Zeit bei Barça enden für Maradona enttäuschend: Mit Argentinien scheidet er in der Zwischenrunde aus, erhält für einen unsportlichen Tritt sogar eine rote Karte. In Barcelona leidet er zunächst an Hepatitis, im zweiten Jahr bricht er sich nach einem groben Foulspiel eines Gegenspielers das Bein. Maradona ist zudem immer wieder in Streitigkeiten mit dem Präsidenten der Katalanen verwickelt und wechselt 1984 schließlich zum SSC Neapel – abermals für eine Rekordablösesumme von diesmal 12 Mio. Euro.

Drei Jahre dauert es, bis Maradona mit dem einstigen Abstiegskandidaten Neapel die italienische Meisterschaft gewinnen kann. Doch zuvor feiert er den größten Triumph seiner Karriere. Dabei steht die WM 1984 für Argentinien zunächst unter keinem guten Stern: Die Qualifikation schafft die Mannschaft nur knapp, die Leistungen in den Vorbereitungsspielen sind durchwachsen. Doch das Team erreicht das Viertelfinale, in dem Maradona endgültig zur Legende wird. Erst überwindet er den englischen Torhüter Peter Shilton regelwidrig, indem er den Ball mit der Hand ins Tor befördert. Nach dem Spiel sagt Maradona, er habe den Ball nicht berührt, es sei die Hand Gottes gewesen. Sein zweiter Treffer des Spiels geht als Jahrhunderttor in die Fußballgeschichte ein: Maradona startet ein Dribbling aus der eigenen Hälfte heraus, lässt sechs englische Spieler aussteigen und trifft zum 2:0. Im Halbfinale erzielt er erneut zwei Treffer, das Finale gegen Deutschland gewinnt Argentinien schließlich mit 3:2. Maradona, Kapitän seines Teams, ist Weltmeister. Er hat die WM mit seiner Dynamik und seinem Spielwitz dominiert, wird als bester Spieler des Turniers ausgezeichnet.

Auch in Neapel kann Maradona weitere Erfolge feiern: 1987 holt er die Coppa Italia, 1989 den UEFA-Pokal, 1990 den zweiten Scudetto. Doch privat mehren sich Maradonas Probleme: Er versäumt Trainingseinheiten und Spiele – offiziell stressbedingt, hinter vorgehaltener Hand wird ihm aber Kokainkonsum nachgesagt. Auch seine Leistung bei der WM 1990 in Italien fällt weitaus schwächer aus als vier Jahre zuvor. Maradona führt seine Mannschaft als Kapitän glücklich ins Finale, ist durch eine Knöchelverletzung aber deutlich gehandicapt. In der Neuauflage des Endspiels von 1986 muss er sich diesmal den Deutschen geschlagen geben.

Im folgenden Jahr der Schock: Bei einem Dopingtest wird Maradona positiv auf Kokain getestet und daraufhin für 15 Monate gesperrt. Nach Ablauf der Sperre will er Italien verlassen und wechselt zum FC Sevilla, wo er eine Saison spielt, bevor er sich mit den Vereinsverantwortlichen überwirft. Der Spielmacher geht zurück nach Argentinien und wird für seine letzte WM nominiert. Nach zwei fulminanten Auftritten in der Vorrunde fällt Maradona durch einen Dopingtest und wird erneut gesperrt. Bei den Boca Juniors lässt er seine Karriere dann ausklingen, 1997 absolviert die Fußballlegende sein letztes Spiel.